Ömer Bolat unterstreicht Notwendigkeit der Modernisierung der Zollunion
Der türkische Handelsminister Ömer Bolat hat bei einer hochrangigen Gesprächsrunde in Brüssel die Modernisierung der Zollunion als strategisch unverzichtbar für die Stärkung der Lieferkettenresilienz und die volle Ausschöpfung des Potenzials der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Türkei und EU bezeichnet.
Globale Handelsherausforderungen und multilaterale Zusammenarbeit
Bolat wies darauf hin, dass die Veranstaltung zum Thema „Belebung des multilateralen Handelssystems“ in einer Zeit stattfand, in der globaler Handel zunehmend unvorhersehbar ist, protektionistische Maßnahmen zunehmen und intensive industrielle Konkurrenz die Märkte neu gestaltet. Trotz einer weiterhin dynamischen Handelsentwicklung herrsche weltweit ein Umfeld mit langsamem Wachstum, hoher Unsicherheit, verstärkter staatlicher Intervention und geopolitischen Risiken.
Der Minister betonte, dass zahlreiche Staaten ihre Lieferketten diversifizieren und die Produktion näher an Schlüsselmärkte verlagern. Sicherheit und Souveränität seien inzwischen zentrale Bestandteile der Handelspolitik, was zu stärker fragmentierten Wirtschaftsstrukturen und ausgeprägteren klimapolitischen Ausrichtungen führe. In diesem Kontext sieht Bolat das multilaterale Handelssystem erheblichen Prüfungen ausgesetzt und forderte die Konzentration auf faire Rahmenbedingungen sowie die Stärkung der Welthandelsorganisation (WTO) durch Reformen.
Türkei-EU-Handelsbeziehungen und Investitionen auf Rekordniveau
Bolat unterstrich, dass die Türkei durch die Zollunion ein integraler Bestandteil europäischer Wertschöpfungsketten geworden ist. Im Jahr 2023 erreichte das Handelsvolumen zwischen der Türkei und der EU 233 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg um das Neunfache seit 1995. Die Europäische Union ist weiterhin der wichtigste Handelspartner der Türkei, während die Türkei zu den fünf größten Handelspartnern der EU zählt. Etwa 70 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in der Türkei stammen aus Europa.
Neuerungen und Herausforderungen im EU-Türkei-Handel
Bolat begrüßte, dass der jüngste Gesetzentwurf der EU-Kommission zur Beschleunigung der Industrie eine juristische Grundlage für eine Einbeziehung der Türkei in die Auslegung des Begriffs „EU-Ursprung“ bieten könnte. Gleichzeitig müsse jedoch an der Beseitigung bestehender Unsicherheiten gearbeitet werden.
Der Minister äußerte Bedenken hinsichtlich neuer Maßnahmen der EU ab Juli 2026, die die tiefe wirtschaftliche Integration beeinträchtigen könnten, und betonte, dass die Türkei im Rahmen der Zollunion nicht wie ein Drittstaat behandelt werden dürfe. Die Modernisierung der Zollunion bleibt laut Bolat ein zentrales Ziel, um widerstandsfähige Versorgungsnetzwerke zu fördern und das wirtschaftliche Potenzial beider Seiten optimal zu nutzen.
Ausblick: Zusammenarbeit für eine prosperierende Zukunft
Bolat sprach sich für eine konstruktive und proaktive Rolle der Türkei im multilateralen System und in der strategischen Partnerschaft mit der EU aus. Durch eine Modernisierung der Zollunion und einen offenen Dialog könnten nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile für beide Seiten erzielt werden. Mit gemeinsamer Anstrengung sei der Aufbau einer inklusiveren und widerstandsfähigeren Zukunft für die Türkei, die EU und das gesamte multilaterale Handelssystem möglich.
Am Treffen nahmen neben Minister Bolat auch hochrangige EU-Vertreter, die ständige Vertreterin der Türkei bei der EU, Yaprak Balkan, sowie führende Vertreter der TOBB und Eurochambres teil.




















